| Ende des 18. Jahrhunderts beobachten Jäger im Süden Frankreichs ein Wesen, das wie ein Mensch aussieht, sich aber wie ein Tier bewegt. Als es im Jahr 1800 gefangen wird, stellt sich heraus, dass es ein etwa zwölfjähriger Junge ist, der nicht sprechen kann, sich von Eicheln, Nüssen und Kastanien ernährt, gegen Hitze und Kälte unempfindlich ist, dem jegliche soziale Gepflogenheiten fremd sind – ein wildes Kind, das den Namen Victor erhält. Victor wird nach Paris gebracht und dient Wissenschaftlern als Anschauungsobjekt, um die Theorien der noch jungen Aufklärung zu veri- oder falsifizieren. Einzig der Arzt Jean Itard kommt dem Jungen etwas näher, auch wenn er mit fast religiösem Ehrgeiz versucht, Victor in die Gesellschaft zu integrieren – und daran scheitert.
Dieser wahren Geschichte hat sich der großartige Fabulierer T. C. Boyle in einer schmalen Erzählung angenommen und er verliert ob des traurigen Schicksals von Victor seinen üblichen beißenden Sarkasmus. Seine unverkennbare Sympathie gilt dem Ungezähmten und Unzähmbaren – und er verpackt sie in eine berührende Geschichte. |