| Am 13. März 1964 wird Kitty Genovese um 3.15 Uhr auf offener Straße nur wenige Meter vor ihrer Wohnungstür in Queens überfallen. Der Täter sticht auf sie ein, auf ihre mehrfachen Hilfeschreie reagiert nur ein Nachbar, der vom Fenster aus dem Täter zuruft, er solle das Mädchen in Ruhe lassen. Der Täter flüchtet, kehrt aber zurück, verfolgt Kitty Genovese in den Hauseingang, wohin sie sich geschleppt hat, sticht weiter auf sie ein und vergewaltigt sie. Auf ihre Hilfeschreie reagiert niemand. Erst um 3.50 Uhr verständigt eine Nachbarin die Polizei. Kitty Genovese stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. Recherchen eines Journalisten ergeben, dass 38 Menschen zumindest teilweise Augen- bzw. Ohrenzeugen des Verbrechens waren, ohne zu reagieren.
Recherchiert zu diesem realen Fall hat auch der Franzose Didier Decoin, sein Ergebnis „Der Tod der Kitty Genovese“ ist ein minutiöser, „non-fiktionaler Roman“ à la „Kaltblütig“ auf außerordentlichem literarischem Niveau, eine kühle Analyse einer beteiligungslosen Gesellschaft, ein gnadenloser Blick in die Untiefen der menschlichen Psyche. Großartig! |