| Im Jahr 1904 veröffentlichte Joseph Conrad „Nostromo“, einen politischen Roman, der in der fiktiven südamerikanischen Republik Costaguana spielt. Mehr als 100 Jahre später erzählt nun der kolumbianische Autor Juan Gabriel Vásquez „Die geheime Geschichte Costaguanas“. Vásquez hatte letztes Jahr mit „Die Informanten“, einer Geschichte über jüdische Emigranten und mit den Nazis sympathisierenden Kolumbianern im Bogotá des Jahres 1941, am deutschen Buchmarkt überrascht und wurde mit Gabriel García Márquez verglichen. Mit seinem neuesten Buch schließt er nun wirklich an die Fabulierkunst seines Landsmanns an. Im Zentrum des Romans steht Panama am Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts und der Bau des Kanals, der die Weltmeere verbinden soll. Erzählt wird die Geschichte von Miguel und José Altamirano, Ersterer ein fortschrittsgläubiger liberaler Journalist, den es nach Panama – damals noch eine kolumbianische Provinz – verschlagen hat. Dort soll er Stimmung für den (letztlich gescheiterten) Kanalbau von Ferdinand de Lesseps machen – obwohl rund 22.000 Arbeiter in den Sümpfen sterben, schreibt er über den Sieg der menschlichen Kraft über die Natur. Miguels unehelicher Sohn José kommt erst später nach Panama – in einer Kneipe trifft er auf einen Schiffsmaat namens Joseph Conrad – und erlebt den zweiten Versuch des Kanalbaus mit. Die Begegnung mit Conrad allerdings lässt ihn nicht mehr los, da dieser ihm die Geschichte Costaguanas „gestohlen“ hat. Also schreibt sie José 20 Jahre später noch einmal – aus seiner Sicht.
Zahlreiche Handlungsstränge, Anekdoten, Gastauftritte realer Personen, eine überbordende Sprache – Vásquez‘ Roman kann einfach nur als Geschenk an die Leserschaft bezeichnet werden. |