| So wie Didier Decoin in "Der Tod der Kitty Genovese" widmet sich auch der US-Autor Ryan David Jahn dem Fall der Kitty Genovese, allerdings nicht in einem dokumentarischen Roman, sondern in einem fiktionalen Thriller. Neben dem Verbrecher konzentriert er sich auf die Nachbarn, die das Verbrechen bemerkten, teilweise zuschauten, aber nichts taten – ein Phänomen, das als Bystander-Effekt bzw. Genovese-Syndrom Einzug in die Fachliteratur hielt. Und es passiert einiges in den Wohnungen rund um den Tatort. Ein Ehestreit, das Coming-Out eines Homosexuellen, ein flotter Partnerwechsel zweier Ehepaare, der eskaliert, ein junger Mann mit seiner todkranken Mutter, die sterben will, um nur einiges zu nennen. Episodenartig verwebt, erzählt Jahn die Ereignisse innerhalb weniger Stunden, beschreibt ein Kaleidoskop der US-Gesellschaft in den 60er Jahren. Man kann einwenden, dass Jahn damit zu viel in den schwungvoll geschriebenen Roman „Ein Akt der Gewalt“ verpackt, andererseits ist es gerade das Extreme seiner Episoden, das die Unglaublichkeit des Genovese-Syndroms verdeutlicht. |