| Seit wann die fast 100-jährige Roseanne McNulty in der alten Psychiatrischen Anstalt lebt, weiß sie selbst nicht. Auch Anstaltsarzt Dr. Grene kann es den wenigen Akten nicht entnehmen. Er will mehr über Roseannes Vergangenheit wissen, auch weil er die Gründe für den Aufenthalt seiner Patienten neu bewerten muss. Doch Roseanne verweigert das Gespräch, sie vertraut sich vielmehr ihrem geheimen Tagebuch an. Und erzählt dabei eine Geschichte, die im Irland des Jahres 1922 beginnt. Mitten im Bürgerkrieg entschied eine einzige Nacht über ihr zukünftiges Leben. Als junge Verräterin gebrandmarkt, geriet die Protestantin zwischen die katholischen Fronten, auch ihre Ehe scheiterte an der Bigotterie der Gesellschaft. Doch war ihr Leben so, wie sich Roseanne glaubt zu erinnern? Denn während sie ihre Erinnerungen schreibt, stößt Grene auf eine andere Vergangenheit. Diese irische Vergangenheit durchzieht Sebastian Barrys Roman „Ein verborgenes Leben“, doch sie dient Barry nur als Rahmen, um mit wunderschöner Sprache zu zeigen, wie Politik und Religion ein Leben zerstören können. |