| Ein Mädchen erzählt ihre Geschichte und wird eine Frau. Es ist die Geschichte ihrer slowenisch sprechenden Familie, die im Süden Kärntens lebt. Eine Kärntner Geschichte eben. Während der NS-Zeit wird die Unterdrückung der slowenischen Minderheit zur Existenzfrage: Von den Deutschsprachigen gejagt, verfolgt, ermordet, bei den Partisanen im Krieg. Wer Glück hatte und 1945 zurückkehrte, fand zerstörte Häuser wie zerstörte Menschen vor, die Machtverhältnisse hatten sich jedoch kaum geändert. Die slowenische Minderheit gehörte nicht zu den Siegern, ihre Geschichten waren Tabu, die Traumata aber blieben in den Familien. Maja Haderlaps Roman, für den sie den Ingeborg-Bachmann-Preis 2011 bekam, macht Kärnten verständlicher. In gewisser Weise ist Kärnten sogar der Prototyp eines Nachkriegsösterreich, das sich nicht für die Nazigräuel verantwortlich fühlt(e) und in dem personelle wie ideologische Kontinuitäten der Rechten fröhliche Urstände feiern. Ein gelungenes Buch! |