| „Life is old there, older than the trees“, heißt es in John Denvers Ohrwurm „Country Roads“ über die Blue Ridge Mountains in Virginia. Und dass das Leben dort wirklich alt, ja fast stehengeblieben ist, zeigt Josh Weil ist seiner meisterhaften Novelle „Herdentiere“. Wäre da nicht der Truck, mit dem Osby Caudill nach seinen Kühen sehen würde, fühlte man sich fast ins 19. Jahrhundert zurückversetzt. Seit Jahren kümmerte sich Caudill gemeinsam mit seinem Vater um ihre Herden, bis sich der wortkarge Alte eines Tages eine Kugel in den Kopf schießt. Caudill geht nun allein im bitterkalten Winter seiner Arbeit nach – bei Wind und Wetter raus, Zäune reparieren, Salz auf die Weide bringen, Kühe zählen. Doch er vereinsamt immer mehr, seine wenigen menschlichen Begegnungen lässt er ungenutzt verstreichen. Doch da ist noch ein Stier, an Gras-Tetanie erkrankt, den Josh wider besseren Wissens versucht zu kurieren. Und mit diesem Tier scheint auch sein eigener Lebenswille langsam zu erlahmen.
„Herdentiere“ ist ein schmales Bändchen Literatur, dafür ist aber jede Seite wunderschöne Literatur. Karg wie die Landschaft erzählt der 34-jährige US-Autor Josh Weil, braucht kein Wort zuviel, um seiner Sprache eine mehr als nur kräftige Stimme zu geben. Eine Entdeckung. |