| Im Jahr 1908 wurde der jüdische Immigrant Lazarus Averbuch vom Chicagoer Polizeipräsidenten Shippy in dessen Haus erschossen – es war die Zeit der Anarchistenunruhen in den USA. Knapp hundert Jahre später macht sich der Schriftsteller Vladimir Brik auf die Spuren von Lazarus. Er selbst ist aus Bosnien in die USA geflohen, mit seinem Freund, dem Fotografen Rora, macht er sich auf den Weg nach Moldawien und in die Ukraine, Stationen im Leben von Lazarus, um schließlich in Sarajevo auf seine eigenen Wurzeln zu stoßen.
In Aleksandar Hemons Roman „Lazarus“ verschwimmen auf geniale Weise die Grenzen zwischen Historie, Autobiografie und fiktiver Erzählung – Lazarus Averbuch hat gelebt, Hemon ist aus Sarajevo und blieb 1992 in den USA, der Rest macht aus „Lazarus“ einen beeindruckenden und erschreckenden Roman. Beeindruckend durch Hemons Schreibe und Erzählstruktur, erschreckend durch die Parallelen von Judenpogromen in Osteuropa, der paranoiden Anarchistenverfolgung in den USA und dem Terror des Jugoslawienkriegs. |