| Verlorene Seelen zwischen Las Vegas und Reno, verlorene Seelen zwischen Highway, Bar und Fernseher. Willy Vlautin, eigentlich Sänger und Songschreiber einer Folkrockband, legt mit „Northline“ seinen zweiten Roman vor – der sich liest, als hätte der 42-Jährige nie etwas anderes getan, als Romane zu schreiben. Meisterhaft kurz und lakonisch gebraucht er seine Worte, um vom hoffnungslosen Leben der Allison Johnson zu erzählen, einer 22-Jährigen, gefangen zwischen Alkoholsucht und ihrem gewalttätigen Freund. Schwachen Trost findet sie bei ihrer Mutter, mit der sie sich stundenlang Paul-Newman-Filme ansieht. Als sie merkt, dass sie schwanger ist, setzt sie sich nach Reno ab, arbeitet in einer Bar, bringt ihr Kind zur Welt und gibt es zur Adoption frei. Hilfe findet sie in ihren Träumen nur bei Paul Newman – und bei Dan Mahony, einem jungen Mann, der, nachdem er grundlos zusammengeschlagen worden ist, Angst vor dem Kontakt zu Menschen hat.
„Northline“ ist wohl einer der beeindruckendsten Romane der letzten Jahre über den „White Trash“, über ein Leben abseits des amerikanischen Traums. Das Leben ist nicht da, um gelebt zu werden, sondern um es zu überleben, die Hoffnung auf Besserung ist nicht einmal ein Traum und kann nur ansatzweise gelebt werden. |