| Schleichendes Gift
1988 erhielt Pete Dexter für seinen Roman „Paris Trout“ den National Book Award, nach einer vergriffenen Übersetzung liegt nun eine neue vor – dem feinen Liebeskind-Verlag sei Dank. Und vorweg: Auch 20 Jahre nach seinem Erscheinen hat dieser Roman nichts an Qualität, Brisanz und Aktualität verloren, obwohl die Handlung im amerikanischen Süden der 50er Jahre spielt, in der Kleinstadt Cotton Point. Der Ladenbesitzer Paris Trout ist dort ein wichtiger Mann – auch weil er Geld verleiht und Autos verkauft. Bei einem Versuch, ausständiges Geld einzutreiben, erschießt er ein farbiges Mädchen. Doch Reue oder Schuldeingeständnis zeigt er nicht – im Gegenteil, er sieht sich im Recht und treibt mit seiner Uneinsichtigkeit einen Keil in die nur oberflächlich geschlossene Gesellschaftsstruktur von Cotton Point – bis es zur Katastrophe kommt. Ein Plädoyer gegen Rassismus, eine psychologische Gesellschaftschronik, ein packender Roman Noir, ein exzellent geschriebenes Stück Literatur – man könnte viel über „Paris Trout“ sagen. Es reicht aber auch ein Wort: meisterhaft. |