| Timofey Pawlowitsch Pnin, der als Exilrusse am (fiktiven) College Waindell in den Vereinigten Staaten lehrt, ist auf den ersten Blick wohl das, was man gemeinhin als Witzfigur bezeichnen würde: ein "typischer" zerstreuter Professor mit einem komischen Akzent, der sich noch nicht an seine ihn (noch immer) tief verstörende neue Heimat und die dortige Landessprache gewöhnt hat und dadurch allerlei kleine - und größere - "Katas-Troffen" (Katastrophen) zu bewältigen hat. Auf seine Mitmenschen (wie auch auf den Leser) mag Pnin anfangs noch lächerlich wirken, doch die Art und Weise, wie Pnin all diesen Problemen unverwandt, mit tiefem Ernst, Integrität und einem schier unbeirrbaren Vertrauen in seine Fähigkeiten wie in seine Umwelt die Stirn bietet, bewirkt ein Umdenken, und langsam - ganz langsam - erkennt man erst die ganze Tragweite dieses Romans: Pnin ist kein Versager. Er ist ein zwar etwas kauziger, aber liebenswerter, und keinesfalls lächerlicher Mensch, der "nur" durch seine Unfähigkeit, sich an eine andere, fremdartige Kultur anzupassen und die Sprache richtig zu erlernen, (beinahe) an eben dieser Fremdartigkeit zerbricht.
"Pnin" ist Nabokovs dreizehnter Roman, sein vierter in englischer Sprache und - vermeintlich - einer seiner "einfachsten". Erst spät, im Laufe des Romans, wenn einem das Lachen immer öfter im Halse steckenbleibt, erkennt man, dass hinter dieser Geschichte eines unfreiwilligen Clowns, der bestimmt keiner ist, mehr steckt, als man anfangs annimmt. Pnin wehrt sich hartnäckig gegen seine Degradierung zur Witzfigur, und dies auf eine so intelligente, charmante Weise, dass man nicht umhin kann, ihn einfach gern zu haben. Das macht ihn zu Nabokovs wohl brillantester Figur und gleichzeitig den Roman zu einem seiner besten. |