| Jergovic' aus Kurz- und Kürzestgeschichten (durchschnittlich: 3-5 Seiten) bestehender Erzählband "Sarajevo Marlboro" erschien (erstmals, in Originalsprache) 1994, zu einer Zeit, als der Krieg im ehemaligen Jugoslawien noch in vollem Gange war. Dieser Umstand - wie auch freilich der Titel - deutet schon auf den Inhalt der einzelnen Erzählungen hin: Es geht um Sarajevo, eine Stadt, die vom Bosnien-Krieg (mit) am schwersten betroffen war, und um die Menschen, die dort leben, und während des Krieges (natürlich) mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen haben. Widrigkeiten deshalb, weil sich Jergovic vor allem auf die kleinen, die alltäglichen Probleme konzentriert - wo man etwa den (einzig!) geeigneten Ton- für einen bosnischen Eintopf herbekommen soll. Jergovic zeigt, dass gerade in Kriegszeiten den gewöhnlichen Ereignissen und Objekten eine bedeutende Funktion zukommt - sie werden zu Symbolen, die eine andere (friedliche) Zeit repräsentieren und - sehr pathetisch ausgedrückt - oftmals als letzter, als einziger Bezugspunkt zu einem Leben dienen, das niemals wieder so sein wird, wie es einmal war: "[...] nicht mehr als ein Fingerzeig, dass man sich vor den Details hüten muss. Und zwar nur vor den Details".
Das Beste an "Sarajevo Marlboro" ist aber die Leichtigkeit und Ungezwungenheit, mit der Jergovic die einzelnen (und unzähligen) Protagonisten und ihre Erlebnisse schildert: Trotz der ständigen, aber meist nur hintergründigen Präsenz des Krieges, ist das Ganze niemals schwermütig oder deprimierend, sondern durchwegs sehr leicht zu lesen (trotzdem nicht "leichtgewichtig") und äußerst amüsant. Die schon angesprochene Länge der Geschichten trägt außerdem sehr zum Lesevergnügen bei und macht den Band wohl auch für jene Leser interessant, die nur gelegentlich mal ein Buch zur Hand nehmen. |