| Es mag ja im ersten Moment nicht unbedingt ansprechend für einen "erwachsenen" Menschen erscheinen, ein im Handel als "Jugendbuch" deklariertes Buch zu lesen, doch auch wenn die Hauptprotagonisten dieses Werkes allesamt ihr letztes Jahr an einer amerikanischen Highschool absitzen, so muss der Leser den Schulalltag nicht unbedingt mit diesen gemeinsam haben, um an dem Buch Gefallen zu finden.
Sam Kingston wollte an diesem Valentinstag eigentlich ihre Unschuld verlieren, findet sich aber schlußendlich in einer Endlosschleife der Wiederholung des immer gleichen Tages wieder, an dessen Ende sie mal tot, mal verzweifelt, aber auf jeden Fall jungfräulich ist. Dass man sich auch den Tod irgendwie verdienen muss, hat ihr noch niemand gesagt, und so darf sie sich, dem "Täglich grüßt das Murmeltier"-Prinzip folgend, darin versuchen, immer wieder aufs neue diesen speziellen Tag des St. Valentins auf die eine Art zu verleben, dass er auch für vorübergeht - egal mit welchem Resultat. Diese Versuche sind mal einfach nur unterhaltsam und komisch, mal traurig und manchmal sogar erfreulich hoffnungsvoll. Und irgendwann darf Sam den Strudel von Zeit und Schicksal schließlich verlassen und der Leser, egal welchen Alters, das Buch zuklappen und sich möglicherweise selbst die berühmte Frage stellen: "Wie würde ich meinen letzten Tag leben, wenn ich wüsste, dass es mein letzter ist?"
Der Jugendroman für Erwachsene boomt, und so mag es wenig verwundern, dass dieser Titel am englischsprachigen Markt nicht dezidiert als Jugendtitel verkauft wird, sondern auch bei der Erwachsenenliteratur zu finden ist. Dies liegt wohl weniger daran, dass Briten, Amerikaner und Australier nie aus der Pubertät gekommen sind, sondern eher daran, dass der deutschsprachige Buchmarkt bevorzugt auf Nummer Sicher geht und All-Age-Titel im Zweifelsfall lieber in die Ecke Jugendliteratur stellt, damit man niemanden "unterfordert". Da es aber Themen gibt, die altersunabhängig immer interessant bleiben, und man in Lauren Oliver eine Autorin findet, die sich ansprechend und kritisch der Existenz in einer Zwischenrealität annähert, werden auch Erwachsene ihre Freude an diesem Buch finden.
Abschließend sei gesagt, dass sich dieser Beitrag auf die englische Ausgabe bezieht, es bleibt mir also nur zu hoffen, dass die Übersetzung ins Deutsche ebenfalls gelungen ist.
|